Bundesregierung plant Steuererleichterung für Immobilien-Erstkäufer gegen explodierende Preise
Dörthe KrauseBundesregierung plant Steuererleichterung für Immobilien-Erstkäufer gegen explodierende Preise
Die deutsche Bundesregierung erwägt Steuerbefreiungen für Erstkäufer, die ein selbstgenutztes Wohneigentum erwerben. Dieser Schritt kommt zu einer Zeit, in der stark gestiegene Immobilienpreise und zusätzliche Kosten den Erwerb von Wohneigentum für viele zunehmend schwieriger machen. Allein die Grunderwerbsteuer kann den Kaufpreis eines durchschnittlichen Einfamilienhauses um zehntausende Euro erhöhen.
Die Hauspreise in Deutschland sind im letzten Jahrzehnt stark angestiegen. Zwischen 2010 und 2022 stiegen die Preise für Ein- und Zweifamilienhäuser bundesweit um etwa 94 Prozent. Ende 2025 legten sie im Vergleich zum Vorjahr noch einmal um 3 Prozent zu. Die regionalen Unterschiede bleiben jedoch eklatant: In München lag der durchschnittliche Quadratmeterpreis für ein 100 m² großes Haus 2025 bei rund 9.397 Euro, während er in ländlichen Regionen wie Winnert auf 2.273 Euro pro Quadratmeter sank.
Die Grunderwerbsteuer, die je nach Bundesland zwischen 3,5 und 6,5 Prozent beträgt, stellt eine erhebliche Belastung dar. Bei einem Haus im Wert von 500.000 Euro kann diese Steuer bis zu 32.500 Euro betragen. Zusammen mit Notarkosten, Grundbucheintragungsgebühren und Maklerprovisionen können diese Zusatzkosten die gesamten Nebenkosten auf bis zu 10 Prozent des Kaufpreises treiben.
Die Steuereinnahmen der Länder aus der Grunderwerbsteuer sind stark gestiegen – von etwa 5 Milliarden Euro im Jahr 2006 auf nahezu 18 Milliarden Euro im Jahr 2022. Große Investoren und Immobilienfirmen umgehen die Steuer jedoch häufig durch sogenannte "Share Deals", die es ihnen ermöglichen, Eigentum mit minimaler Steuerlast zu übertragen. Zwischen 2018 und 2021 wurden auf diese Weise rund 150.000 Wohnungen verkauft.
Gestiegene Zinsen und Baukosten haben die Erschwinglichkeit von Wohneigentum zusätzlich belastet. Die Löhne sind hingegen weitgehend stagniert, was die Kluft zwischen Einkommen und Immobilienpreisen weiter vergrößert hat. Ein progressives Steuersystem könnte helfen, die Lasten gerechter zu verteilen – etwa durch höhere Abgaben für Luxuskäufer bei gleichzeitigem Entlasten der Mittelschicht.
Die geplante Befreiung für Erstkäufer zielt darauf ab, die wachsenden Herausforderungen auf dem Wohnungsmarkt zu bewältigen. Sollte sie umgesetzt werden, könnte sie die Anfangskosten für diejenigen senken, die sich den Einstieg in den Immobilienmarkt kaum leisten können. Die Wirkung der Maßnahme wird jedoch davon abhängen, wie gut es gelingt, Steuererleichterungen mit der Notwendigkeit in Einklang zu bringen, die Staatseinnahmen zu sichern.






