Deutschland verpasst EU-Frist für Lohntransparenz – und riskiert jetzt Konsequenzen
Ben NetteDeutschland verpasst EU-Frist für Lohntransparenz – und riskiert jetzt Konsequenzen
Deutschland verpasst EU-Frist für neue Lohntransparenzgesetze
Deutschland hat eine EU-Frist für die Umsetzung neuer Lohntransparenzregeln verpasst. Seit Montag, dem 1. Juni 2026, verstößt das Land damit gegen geltendes EU-Recht. Die Verzögerung könnte nun rechtliche Schritte der Europäischen Kommission nach sich ziehen.
Die aktualisierten EU-Vorgaben zur Lohntransparenz hätten bis zu dieser Woche in deutsches Recht überführt werden müssen. Die Bestimmungen geben Beschäftigten das Recht, Gehaltsinformationen anzufordern, und verpflichten Unternehmen, geschlechtsspezifische Lohnunterschiede offenzulegen. Arbeitgeber müssen zudem Startgehälter veröffentlichen und dürfen Bewerber:innen nicht mehr nach ihren vorherigen Einkünften fragen.
Das bestehende Entgeltransparenzgesetz, das Deutschland 2017 eingeführt hat, erlaubt Arbeitnehmer:innen bereits, Gehaltsvergleiche innerhalb ihres Unternehmens anzufordern. Eine Studie aus dem Jahr 2023 zeigte jedoch, dass nur wenige Beschäftigte von diesem Recht Gebrauch machen – aus Angst vor möglichen negativen Konsequenzen seitens der Arbeitgeber. Die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern bleibt in Deutschland mit 15,6 Prozent pro Stunde höher als im EU-Durchschnitt, wo sie bei 11,1 Prozent liegt.
Die Bundesregierung rechnet nun damit, die EU-Richtlinie erst Anfang 2027 umzusetzen. Bis dahin könnte die Europäische Kommission ein Vertragsverletzungsverfahren einleiten, das zu Strafzahlungen oder weiteren juristischen Schritten führen könnte.
Durch die verpasste Frist bleibt Deutschland weiterhin nicht konform mit den EU-Transparenzregeln. Ohne die neuen Gesetze müssen sich Arbeitnehmer:innen weiterhin auf das schwächere Gesetz von 2017 verlassen, während die Lohnungleichheit zwischen den Geschlechtern bestehen bleibt. Die nächsten Schritte der Europäischen Kommission werden zeigen, ob Deutschland für die Verzögerung Sanktionen drohen.






