Dresdens verbotene Kunst: Wie eine Generation die DDR herausforderte
Elwira SpeerDresdens verbotene Kunst: Wie eine Generation die DDR herausforderte
Dresden war einst das künstlerische Herz der DDR, Heimat einer blühenden Kreativszene. Im Mittelpunkt stand die Hochschule für Bildende Künste, eine führende Institution, die über Jahrzehnte den Sozialistischen Realismus prägte. Doch ab den späten 1970er-Jahren begann eine neue Generation von Künstlern, Grenzen zu sprengen – sowohl stilistisch als auch im Widerstand gegen die staatliche Kontrolle.
Die Hochschule bildete viele der einflussreichsten Dresdner Künstler aus. Eberhard Göschel, der dort bis 1969 studierte, gründete später die Obergrabenpresse, eine zentrale Plattform für unabhängige Kunst. Zu seinen Kommilitonen zählten Hans Scheib, Reinhard Stangl, Volker Henze, Helge Leiberg, Christine Schlegel, Cornelia Schleime und Ralf Kerbach – allesamt Absolventen derselben Hochschule.
Zunächst ließen sich diese Künstler von der expressionistischen Tradition der Brücke inspirieren. Doch ihre Werke gerieten bald in Konflikt mit den DDR-Behörden – nicht nur wegen des Stils, sondern auch wegen ihres unkonventionellen Lebenswandels und ihrer Ausstellungsmethoden. Die staatlich genehmigten Schauen, wie die alle fünf Jahre stattfindenden Zentralen Kunstausstellungen im Albertinum, boten kaum Raum für Experimente.
Als Reaktion schufen die Künstler eigene Räume. Hans Scheib eröffnete 1977 eine private Galerie in der Raumerstraße 23 und später, 1980, eine weitere in der Sredzkistraße 64. Gleichzeitig organisierten Göschel und Helge Leiberg thematische Gruppenausstellungen im Leonhardi-Museum in Dresden-Loschwitz. Diese unabhängigen Schauen wurden zu wichtigen Orten für Künstler, die von offiziellen Institutionen ausgegrenzt wurden.
Gegen Ende der 1970er-Jahre hatte sich die Dresdner Kunstszene gespalten: auf der einen Seite der staatlich verordnete Sozialistische Realismus, auf der anderen eine wachsende Underground-Bewegung. Die privaten Ausstellungen und Verlage dieser Künstler boten seltene Freiräume für freie Meinungsäußerung. Ihr Widerstand legte den Grundstein für eine offeneren Kulturlandschaft in den folgenden Jahren.






