17 March 2026, 06:15

Eklat beim Grimme Online Award: Preise zurückgegeben und aberkannt

Frau in schwarzem Kleid und Dutt vor einem Podium mit Mikrofon, die eine Rede vor einem Banner 'Menschliche Rechte Press Awards' hält.

Eklat beim Grimme Online Award: Preise zurückgegeben und aberkannt

Bei der diesjährigen Verleihung des Grimme Online Awards gab es eine Kontroverse, nachdem der unabhängige Förderverein – nicht das Grimme-Institut selbst – einer Preisträgerin, Judith Scheytt, die Auszeichnung wieder entzogen hatte. Zwei ausgezeichnete Regisseure lehnten daraufhin aus Protest ihre eigenen Preise ab und ließen sie auf der Bühne zurück.

Gleichzeitig wurden bei der Veranstaltung eine Vielzahl digitaler Projekte gewürdigt – von Dokumentationen über psychische Gesundheit bis hin zu historischen Spielen über den Untergang der DDR.

Der Streit begann, als der Verein der Freunde des Adolf-Grimme-Preises, eine eigenständige Unterstützergruppe, Scheytt die bereits verliehene Auszeichnung wieder aberkannte. Die Direktorin des Grimme-Instituts, Çiğdem Uzunoğlu, bezeichnete diesen Schritt später als "formell inkorrekt". Sie kündigte eine Debatte über den Vorfall an und deutete eine mögliche künftige Trennung von dem Verein an.

Während der Preisverleihung erhielten die Regisseure Moritz Riesewieck und Hans Block eine Auszeichnung für ihre Arbeit. Statt sie entgegenzunehmen, stellten sie den Preis auf das Podium und verließen die Bühne. Später hob ein Mitarbeiter des Grimme-Instituts die Trophäe auf.

Jenseits der Kontroverse zeigten die Auszeichnungen die Vielfalt digitaler Projekte. Besonders stark vertreten waren Themen aus den Bereichen Gesundheit und Lifestyle, darunter Preisträger wie "Little Monsters" (WDR), eine Serie über psychische Gesundheit, oder "Know & Grow" (SWR für funk), die Fitness-Mythen entlarvt. Auch "Gynaekollege" wurde für seine verständlichen Informationen zu gynäkologischer Gesundheit ausgezeichnet.

Weitere prämierte Arbeiten waren "Femizide stoppen", das Morde an Frauen dokumentiert, und "Barrierebrecher", das Einblicke in die Lebensrealität von Menschen mit Behinderungen gibt. Auch politische und historische Projekte wurden gewürdigt, etwa "Parlamentsrevue", das die Arbeit des Parlaments erklärt, oder "Herbst 89 – Auf den Straßen von Leipzig", ein Spiel über die letzten Tage der DDR.

Nach dem Entzug der Auszeichnung und dem öffentlichen Protest von Riesewieck und Block steht der Grimme Online Award nun vor Forderungen nach einer Reform. Die Institutsleitung hat angekündigt, das Verfahren zu überprüfen und die Preise künftig stärker von dem Förderverein zu distanzieren.

Die diesjährigen Preisträger deckten indes ein breites Themenspektrum ab – von persönlicher Gesundheit bis hin zu historischer Bildung – und spiegeln damit die Bandbreite des digitalen Erzählens heute wider.

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