26 April 2026, 10:12

Falsche Gruppenvergewaltigungs-Vorwürfe nach Wiesn erschüttern öffentliche Debatte

Plakat mit fettem schwarzem Text "Rape Ain't Right: Sexual Assault is a Serious Issue" auf weißem Hintergrund, eingerahmt von einem schwarzen Rand.

Falsche Gruppenvergewaltigungs-Vorwürfe nach Wiesn erschüttern öffentliche Debatte

Ein Artikel der Plattform Truth24 aus dem Jahr 2022 behauptete, eine US-Amerikanerin sei nach dem Münchner Oktoberfest Opfer einer Gruppenvergewaltigung geworden. Die Geschichte verbreitete sich rasant in sozialen Medien und wurde auf Facebook über 1.700 Mal geteilt. Spätere Ermittlungen der Behörden ergaben jedoch keine Belege für die Vorwürfe.

Am 2. Oktober 2022 veröffentlichte Truth24 einen Bericht mit dem Titel "Gruppenvergewaltigung nach der Wiesn", in dem behauptet wurde, eine US-Touristin sei von mehreren Tätern angegriffen worden. Der Artikel verband den Vorfall mit pauschalen Behauptungen, wonach vor allem "Muslime und Afrikaner" für solche Straftaten verantwortlich seien. Die Staatsanwaltschaft München prüfte den Fall jedoch und bestätigte, dass es keine Hinweise auf eine Gruppenvergewaltigung, einen Versuch dazu oder selbst eine vollendete Vergewaltigung gab.

Bereits ein Polizeibericht vom 29. September 2022 hatte zwar von einer sexuellen Belästigung gesprochen, eine Gruppenvergewaltigung jedoch ausdrücklich ausgeschlossen. Die betroffene US-Amerikanerin konnte sich an den Vorfall nicht erinnern und lehnte eine medizinische Untersuchung ab. Trotzdem verbreitete sich der Truth24-Artikel weiter und festigte so irreführende Klischees.

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Daten aus dem Jahr 2017 zeigten, dass 54,8 Prozent der Tatverdächtigen bei Gruppenvergewaltigungen in Deutschland keine deutsche Staatsbürgerschaft besaßen. Die häufigsten Herkunftsländer waren Afghanistan, die Türkei, Eritrea und Syrien, während Deutsche knapp unter der Hälfte aller Verdächtigen ausmachten. Experten weisen darauf hin, dass Faktoren wie Alter und soziale Lage für diese Statistiken entscheidend sind – nicht die Nationalität oder Religion. Seit 2018 werden Gruppenvergewaltigungen in der Kriminalstatistik nicht mehr gesondert erfasst, da sich die Klassifizierung von Straftaten geändert hat.

Die Behauptungen von Truth24 wurden von den Behörden widerlegt, die keine Grundlage für die Vorwürfe fanden. Die Statistiken zu Gruppenvergewaltigungen aus früheren Jahren spiegeln vielmehr soziale und wirtschaftliche Faktoren wider als kulturelle oder religiöse Hintergründe. Der Fall zeigt, wie sich unbelegte Berichte schnell verbreiten können – selbst dann, wenn offizielle Ermittlungen sie widerlegen.

Quelle