Igor Levit verbindet Schostakowitsch und politischen Protest in Wien
Birgitta SchulzIgor Levit verbindet Schostakowitsch und politischen Protest in Wien
Der Pianist Igor Levit zählt seit langem zu den prägendsten Persönlichkeiten der klassischen Musik und des politischen Engagements. Seine bevorstehende Konzertreihe im Wiener Musikverein vom 17. bis 22. Oktober widmet sich dem Komponisten Dmitri Schostakowitsch, der unter Stalins Regime Verfolgung erlebte. Durch seine Karriere und sein gesellschaftliches Wirken ist Levit zu einer prominenten Stimme gegen Antisemitismus und für die Menschenrechte geworden.
Erst kürzlich trat er bei der Eröffnung der Reichenbach-Synagoge in München auf – eine Veranstaltung, die für Kontroversen sorgte, nachdem Bundeskanzler Friedrich Merz' emotionaler Umgang mit einer Torarolle bundesweit Debatten auslöste.
Levit, 1987 in Nischni Nowgorod geboren, zog mit acht Jahren nach Hannover und studierte später an der Hochschule für Musik, Theater und Medien. Er schloss sein Studium mit der besten Note in der Geschichte der Institution ab und etablierte sich seitdem seit über einem Jahrzehnt an der Spitze der klassischen Musikszene.
Sein Engagement ist ebenso bemerkenswert wie seine musikalische Laufbahn. 2020 erhielt er das Bundesverdienstkreuz sowie eine Auszeichnung des Internationalen Auschwitz-Komitees für sein Wirken im Bereich der Menschenrechte. Offene Aussagen über erlebte antisemitische Anfeindungen und Boykotte bezeichnete er als anhaltenden Kampf für Künstler wie ihn selbst.
Bei der Synagogen-Eröffnung am 13. Oktober 2024 spaltete Merz' tränenreiche Rede und sein Umgang mit der Torarolle die öffentliche Meinung: Während einige darin eine Solidaritätsbekundung gegen Antisemitismus sahen, kritisierten andere – darunter jüdische Vertreter – dies als respektlos. Die Affäre befeuerte erneut die Diskussion über politische Gesten und religiöse Traditionen in Deutschland.
Levits bevorstehende Wiener Konzerte rücken Schostakowitsch ins Zentrum, einen Komponisten, der unter Stalin zum Schweigen gebracht wurde. Zudem betont er die Aktualität von Ravels Kaddisch, einem jüdischen Trauergebet, angesichts des heutigen Klimas wachsender judenfeindlicher Tendenzen. Kürzlich kritisierte er die abgesagten Belgien-Konzerte der Münchner Philharmoniker und bezeichnete den Boykott eines israelischen Künstlers als gefährliches Präzedenzfall.
Levits Musik und sein Engagement bleiben eng mit den aktuellen Debatten über Antisemitismus und künstlerische Freiheit verknüpft. Seine Wiener Auftritte werden historische Unterdrückung thematisieren und gleichzeitig gegenwärtige Kämpfe widerspiegeln. Die Synagogen-Kontroverse und seine klare Haltung halten diese Themen weiterhin im öffentlichen Bewusstsein.