14 March 2026, 14:17

Ist Sienna Rose eine KI-Erfindung oder eine echte Soul-Sängerin?

Ein Mann im Anzug und Krawatte spricht vor einer Wand in ein Mikrofon, wahrscheinlich in Reaktion auf die Nachricht eines Regierungsgesetzes zur Abschaffung des Internets.

AI-Sängerin: Wer ist Sienna Rose - und warum sucht das Internet nach ihr? - Ist Sienna Rose eine KI-Erfindung oder eine echte Soul-Sängerin?

Eine beliebte Soul-Sängerin mit fast zwei Millionen monatlichen Hörern auf Spotify steht im Mittelpunkt wachsender Spekulationen. Bei Sienna Rose, deren Musik von Prominenten wie Selena Gomez geteilt wurde, handelt es sich möglicherweise nicht um eine echte Künstlerin, sondern um eine KI-Kreation. Ermittler haben ihre Ursprünge zu einem russischen Produzenten zurückverfolgt, der für die Erschaffung virtueller Künstler bekannt ist.

Die Vorwürfe gewannen an Fahrt, nachdem Internetnutzer ungewöhnliche Muster entdeckten: eine rasante Veröffentlichung von Songs, keine Live-Auftritte und so gut wie keine Präsenz in sozialen Medien. Eine vertiefte Untersuchung förderte nun Verbindungen zu KI-Experten zutage – sowie das plötzliche Verschwinden ihres ursprünglichen Online-Images.

Das Rechercheteam Trasherchiert des Bayerischen Rundfunks durchleuchtete Sienna Roses Hintergrund und stieß auf Verbindungen zu Nostalgic Records, einem russischen Label unter der Leitung des Produzenten Maksim Muravjov. Muravjov hat sich einen Namen damit gemacht, KI-gesteuerte Musikacts zu entwickeln. Weitere Verknüpfungen führten zu Hafsteinn Runarsson, einem KI-Spezialisten, der Pop-Avatare entwirft und Kurse zum Kommerzialisieren künstlicher Intelligenz anbietet.

Ihr Spotify-Profil zeigt eine junge Frau mit Afro-Look und tiefbraunen Augen, begleitet von einer Biografie, die sie als einfühlsame Geschichtenerzählerin beschreibt. Als die Ermittler ihre Erkenntnisse präsentierten, verschwand jedoch abrupt die ursprüngliche Version von Sienna Rose mit roten Haaren aus den sozialen Medien. Nur das Bild mit der Afro-Frisur bleibt auf den Streaming-Plattformen aktiv.

Der Fall hat die Debatte über KI in der Musik neu entfacht. Der Streaming-Dienst Deezer kennzeichnet KI-generierte Titel, während Spotify im Jahr bis Herbst 2025 rund 75 Millionen solcher Songs entfernte. Eine Deezer-Studie enthüllte zudem, dass 85 Prozent der Streams künstlicher Künstler von Bots stammen – ein System, das Geld direkt zu den Produzenten umleitet. Der YouTuber Rick Beato warf Spotify vor, KI-Musik aus Profitinteresse zu pushen, und verwies auf Studien, wonach 97 Prozent der Hörer keine Unterschiede zwischen KI- und menschengemachten Titeln erkennen können.

Trotz der Kontroverse floriert Sienna Roses Musik weiter. Die BBC schätzt, dass ihre Macher wöchentlich über 2.000 Euro einnehmen – mehr als eine Million pro Jahr – allein durch Streams und virale Reichweite.

Die Ermittlungen werfen weiterhin Fragen nach der wahren Natur Sienna Roses und der Ethik KI-generierter Musik auf. Während Plattformen wie Deezer künstliche Inhalte kennzeichnen, fehlen bei Spotify klare Regelungen zur Transparenz. Der Fall zeigt, wie leicht sich KI-Künstler etablieren – und Gewinne abwerfen – ohne dass es branchenweite Vorgaben gibt.

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