NGOs fordern radikale Wende in der deutschen Entwicklungspolitik
Deutsche NGOs kritisieren aktuelle Entwicklungspolitik
Deutsche Nichtregierungsorganisationen haben Besorgnis über den aktuellen Zustand der Entwicklungspolitik geäußert. Sie verweisen auf den wachsenden Druck durch globale Krisen, Kriege und den Klimawandel. Die Kritik kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Bundesregierung weitere Kürzungen im Haushalt für die Entwicklungszusammenarbeit plant.
Mathias Mogge von der Welthungerhilfe und Joshua Hofert von Terre des Hommes warnten vor den Belastungen für die Entwicklungsarbeit. Seit 2022 wurde das Budget für die Entwicklungszusammenarbeit um ein Drittel gekürzt, und bis 2027 sind weitere Einschnitte zu erwarten. Die NGOs argumentieren, dass dies die Fähigkeit untergräbt, auf die sich verschärfenden Herausforderungen zu reagieren.
Die Organisationen kritisierten die Reformpläne von Entwicklungsministerin Reem Alabali-Radovan als strategielos. Sie forderten eine deutliche Aufstockung der Mittel für humanitäre Hilfe – von derzeit einer Milliarde Euro auf 2,8 Milliarden Euro im nächsten Haushalt. Mogge betonte, dass die Gelder sowohl für die Krisenbewältigung als auch für präventive Langzeitmaßnahmen eingesetzt werden müssten.
Zudem verlangten die NGOs eine stärkere Einbindung der Zivilgesellschaft in die Gestaltung der Reformen. Hofert unterstrich, wie wichtig es sei, Partnerländer, lokale Gruppen und junge Menschen in Entscheidungsprozesse einzubeziehen. Die Organisationen bestanden darauf, dass wirtschaftliche Zusammenarbeit vor allem den Interessen der Menschen vor Ort dienen müsse – und nicht allein denen Deutschlands.
Mogge fügte hinzu, dass Entwicklungshilfe Qualität vor Quantität priorisieren solle, mit weniger Bürokratie und mehr Eigenständigkeit für zivilgesellschaftliche Akteure. Die NGOs warnten zudem davor, Hilfe politisch zu instrumentalisieren, und forderten, dass sie bedarfsorientiert, neutral und unabhängig bleiben müsse.
Mit ihren Vorschlägen wollen die Organisationen die Entwicklungspolitik angesichts wachsender globaler Instabilität stärken. Gefordert werden höhere Finanzmittel, klarere Strategien und eine breitere Beteiligung an den Reformbemühungen. Die Bundesregierung hat auf die Forderungen nach Veränderung bisher noch nicht reagiert.
