Streit um Gesundheitsreform: Ärzte und Apotheker liefern sich Wortgefecht über Finanzierung und Kompetenzen
Dörthe KrauseStreit um Gesundheitsreform: Ärzte und Apotheker liefern sich Wortgefecht über Finanzierung und Kompetenzen
Ein Streit zwischen Ärzten und Apothekern ist über geplante Reformen des deutschen Gesundheitssystems entbrannt. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat die Pläne des Bundesgesundheitsministeriums scharf kritisiert, die Apotheken finanziell stärker zu fördern, ohne vergleichbare Unterstützung für Arztpraxen vorzusehen. KBV-Chef Dr. Andreas Gassen warf dem Ministerium vor, Apotheken zu bevorzugen, während die Kosten in den Krankenhäusern weiter unkontrolliert stiegen.
Die KBV lehnt das Apotheken-Versorgungs-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) entschieden ab. Gassen argumentierte, dass eine Erhöhung der Apothekenabgabepreise um eine Milliarde Euro die Ungleichheit bei der Gesundheitsfinanzierung verschärfen würde. Zudem warnte er, dass ein Ausbau von Impfungen in Apotheken zu unkontrollierten Tests durch „medizinische Laien“ führen könnte.
Die Apothekerin Marietheres Reher-Gremme konterte Gassens Äußerungen scharf. Sie nannte seine Kommentare unwissend und arrogant und betonte, dass Apotheker eine fundierte Ausbildung in Pharmakologie und klinischer Pharmazie durchlaufen. Sie verwies auf ihre zentrale Rolle bei der Arzneimittelsicherheit und wies Bedenken hinsichtlich eines übermäßigen Antibiotikaeinsatzes zurück – Apotheker seien sich der Resistenzrisiken sehr wohl bewusst.
Reher-Gremme verwies auf die erfolgreichen Impfkampagnen in Apotheken während der Pandemie. Sowohl Grippe- als auch COVID-19-Impfungen seien problemlos durchgeführt worden. Sie forderte eine bessere Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Apothekern und betonte, dass viele Mediziner die Partnerschaft bereits schätzten. Ein offener Dialog, so ihre Überzeugung, würde das Gesundheitssystem stärken.
Der Konflikt offenbart die Spannungen um Finanzierung und Rollenverteilung im deutschen Gesundheitswesen. Während Apotheker ihre Fachkompetenz verteidigen und mehr Kooperation fordern, pochen Ärzte auf eine gerechtere finanzielle Unterstützung. Im Mittelpunkt der Debatte steht die Frage, wie Ressourcen und Verantwortlichkeiten zwischen beiden Berufsgruppen ausgewogen gestaltet werden können.
