Wasserstoffbranche zwischen Boom und Kursstürzen: Warum Anleger jetzt nervös werden
Birgitta SchulzWasserstoffbranche zwischen Boom und Kursstürzen: Warum Anleger jetzt nervös werden
Die Wasserstoffbranche steht vor neuer Unsicherheit, obwohl die langfristigen Wachstumsaussichten weiterhin positiv sind. Die Aktie von Nel ASA verlor 3,6 % und fiel auf 0,207 Euro, womit sie sich einem kritischen Unterstützungskurs von 0,20 Euro nähert. Unterdessen stürzte der Aktienkurs von Ballard Power innerhalb von zwei Tagen um 17 % ab und erreichte ein Ein-Monats-Tief – ausgelöst durch schwache Auftragszahlen und anhaltende Verluste.
Die globale Nachfrage nach Wasserstofftechnologien ist seit 2021 stark angestiegen, mit einem jährlichen Investitionswachstum von über 20 %. Bis 2026 sollen die Ausgaben von derzeit rund 30 Milliarden US-Dollar auf über 100 Milliarden steigen. Treibende Kräfte sind dabei Europa – vor allem Deutschland und die Niederlande – sowie Asien, insbesondere China, Japan und Südkorea. Zu den wichtigsten Anwendungsbereichen zählen die Speicherung von grünem Wasserstoff, Brennstoffzellen-Lkw und -Schiffe sowie industrielle Prozesse in der Stahl- und Chemieproduktion.
Doch das Vertrauen der Anleger bleibt fragil. Ballard Power verzeichnete im letzten Quartal zwar einen Umsatzanstieg von 120 % und übertraf damit die Prognosen, schrieb aber dennoch rote Zahlen. Die neuen Aufträge beliefen sich lediglich auf 19 Millionen US-Dollar, wodurch der Auftragsbestand um 9 % auf 132,8 Millionen US-Dollar schrumpfte. Die Aktie des Unternehmens gab am Donnerstag 7 % nach und verlor im vorbörslichen Handel heute weitere 10 %.
Anderswo sicherte sich BMW 273 Millionen Euro an öffentlichen Fördermitteln für seinen wasserstoffbetriebenen X5, der bis 2028 auf den Markt kommen soll. Dennoch halten sich die Zweifel am Gesamtmarkt hartnäckig, während Unternehmen wie Nel ASA in der Nähe von Rekordtiefs notieren – der historische Tiefststand von 0,17 Euro rückt damit in greifbare Nähe.
Die Wasserstoffbranche zieht zwar weiterhin große Investitionen und staatliche Unterstützung an, doch die kurzfristigen finanziellen Herausforderungen setzen die Geduld der Anleger auf eine harte Probe. Der deutliche Kursrutsch von Ballard Power und der schwächelnde Aktienkurs von Nel ASA verdeutlichen die Kluft zwischen dem langfristigen Potenzial und der aktuellen Profitabilität. Die weiteren Entwicklungen des Sektors werden davon abhängen, ob das Nachfragewachstum die anhaltenden finanziellen Belastungen übertreffen kann.