Europas Bauwirtschaft wächst – doch Deutschlands Wohnungsmarkt bricht ein
Elwira SpeerIfo: Europäische Bauindustrie steht vor starkem Wachstum - Europas Bauwirtschaft wächst – doch Deutschlands Wohnungsmarkt bricht ein
Europas Bauwirtschaft zeigt Anzeichen der Erholung, wobei die Fertigstellung von Wohnungen mieten in den nächsten fünf Jahren stetig steigen soll. Nach einer schwierigen Phase wird in den Bereichen Wohnungsbau, Gewerbe- und Industriebau sowie Tiefbau mit Wachstum gerechnet. Doch während der allgemeine Trend positiv aussieht, steht der deutsche Wohnungsmarkt vor einem deutlichen Einbruch in naher Zukunft.
Für den gesamten europäischen Bausektor wird 2024 ein Wachstum von 2,4 Prozent prognostiziert. Treiber dieser Entwicklung sind sowohl Wohnbauprojekte als auch Infrastrukturvorhaben im Tiefbau. Bis 2028 soll das Marktvolumen in diesen Bereichen um 7,5 Prozent zunehmen, wobei die Zahl der fertiggestellten Wohnungen mieten von 1,44 Millionen im Jahr 2023 auf 1,66 Millionen steigen wird.
Auch der Gewerbe- und Industriebau verzeichnet starke Zuwächse – hier wird bis 2028 ein Anstieg um 4,7 Prozent erwartet. Bei den Verkehrsinfrastrukturinvestitionen gibt es hingegen uneinheitliche Fortschritte: Nur der Schienenverkehr profitiert von zusätzlichen Mitteln. Insgesamt wird das Wachstum der europäischen Bauwirtschaft voraussichtlich 2,2 Prozent im Jahr 2027 erreichen, bevor es 2028 leicht auf 1,9 Prozent zurückgeht.
In Deutschland sieht die Lage jedoch weit weniger rosig aus. Der Wohnungsbau wird voraussichtlich 2024 seinen Tiefpunkt erreichen, mit nur noch 190.000 fertiggestellten Wohnungen mieten im Jahr 2025. Der Rückgang setzt sich 2026 fort, wenn lediglich 185.000 Einheiten abgeschlossen werden dürften. Die Wirkung des deutschen Sondervermögens für den Wohnungsbau bleibt ungewiss – eine Entlastung für den schwächelnden Markt ist vorerst nicht in Sicht.
Während sich die europäische Bauwirtschaft allmählich erholt, steckt der deutsche Wohnungsmarkt in einer längerfristigen Krise. Zwar steigt die Zahl der fertiggestellten Wohnungen mieten kontinentweit, doch der drastische Rückgang bei Neubauten in Deutschland unterstreicht die tiefen regionalen Unterschiede. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob das allgemeine Wachstum die nationalen Probleme in Schlüsselmärkten ausgleichen kann.
Erholung im europäischen Bauwesen zeigt starke regionale Unterschiede
Die Erholung im europäischen Bauwesen zeigt starke regionale Unterschiede, wobei Polen das Wachstum anführt, während Deutschland einen schärferen Rückgang als bisher berichtet erlebt:
- Polen liegt mit einem erwarteten Anstieg des Bauvolumens von 15,2% bis 2026 an der Spitze
- Deutschland prognostiziert nun einen 4,1% Rückgang des Volumens, was die Wohnungsnot verschärft
- Frankreich bleibt angespannt, da die nichtresidentiellen Sektoren hinter den Erwartungen zurückbleiben
Experten betonen diese Unterschiede als entscheidend für das Verständnis der ungleichen Erholung in Europa nach der Pandemie.






