07 May 2026, 14:16

Halberstadts verlorene jüdische Geschichte: Zerstört, verdrängt, vergessen

Rechteckige Plakette mit 'Adolf Abraham' eingraviert, an einer Steinwand angebracht.

Halberstadts verlorene jüdische Geschichte: Zerstört, verdrängt, vergessen

Halberstadts jüdische Geschichte wurde in der NS-Zeit fast ausgelöscht und später in der DDR übergangen. Die Stadt, einst ein Zentrum des neorthodoxen Judentums, verlor ihre Gemeinde zwischen 1938 und 1945. Jahrzehnte später untersuchte der Historiker Philipp Graf, wie dieses Erbe ignoriert wurde – obwohl Spuren jüdischen Lebens blieben.

Die Zerstörung begann in der Nacht vom 9. November 1938, als die Halberstädter Synagoge während der nationalsozialistischen Pogrome demoliert wurde. In den folgenden sieben Jahren wurde die jüdische Gemeinschaft der Stadt systematisch vernichtet. 1961 wurde Willy Calm, der letzte überlebende Jude Halberstadts, auf dem jüdischen Friedhof an der Quenstedter Straße beigesetzt.

Nach dem Krieg wurden jüdische Betriebe konfisziert oder umgenutzt, ihre ursprünglichen Besitzer waren verschwunden. Der Verkauf der Rathauspassagen 1948 löste sogar Gerüchte über einen „Verkauf an Juden“ aus – ein Vorfall, den Graf später untersuchte. Unterdessen wurde das ehemalige Konzentrationslager Langenstein-Zwieberge bei Halberstadt zu einem Ort umstrittenen Gedenkens.

1949 wurde dort ein Mahnmal für die Opfer der Zwangsarbeit eingeweiht. Zwei Jahrzehnte später gestaltete die DDR die Gedenkstätte im Sinne ihrer Ideologie von „proletarischem Internationalismus und sozialistischer Vaterlandsliebe“ um. In den 1970er-Jahren war das Tunnelsystem des Lagers zu einem Militärdepot der Nationalen Volksarmee umgebaut worden.

Trotz der Präsenz jüdischer Künstler und Schriftsteller wie Lin Jaldati, Peter Edel und Jurek Becker leugnete die DDR offiziell jedes jüdische Kulturerbe. Grafs Buch „Verweigerte Erinnerung“ dokumentiert diese Auslöschung und kritisiert das Versagen der antifaschistischen Führung der DDR, Halberstadts jüdische Vergangenheit anzuerkennen.

Grafs Forschung zeigt, wie Halberstadts jüdische Geschichte zunächst gewaltsam zerstört und dann institutionell verdrängt wurde. Die Ruinen der Synagoge, die umgenutzten Gebäude und das umgestaltete Mahnmal sind stumme Zeugen einer Vergangenheit, die nie vollständig aufgearbeitet wurde. Seine Arbeit widerlegt die Behauptung, die DDR habe kein jüdisches Erbe zu bewahren gehabt.

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