07 May 2026, 22:12

Historiker warnt vor gefährlichen Geschichtsvergleichen in der Politik

Ein offenes altes Buch mit dem Titel "Beobachtungen Historico-Politica in Instrumentum Pacis" mit einem dekorativen Rand auf der sichtbaren Seite.

Historiker warnt vor gefährlichen Geschichtsvergleichen in der Politik

Der Historiker Horst Möller warnt vor vereinfachten historischen Vergleichen in politischen Debatten. Seiner Ansicht nach wird bei Parallelen zwischen vergangenen und aktuellen Ereignissen oft der entscheidende Kontext außer Acht gelassen. Seine Äußerungen erfolgen zu einer Zeit, in der Medien und öffentliche Persönlichkeiten häufig auf die Geschichte verweisen, um moderne Entwicklungen zu kritisieren.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Möller betonte, dass sowohl die Weimarer Republik als auch die heutige Bundesrepublik Deutschland Krisen durchlebten – allerdings auf völlig unterschiedlichen Zeitskalen. Während die Weimarer Ära bereits nach zwölf Jahren zusammenbrach, erstreckten sich die Herausforderungen der Bundesrepublik über 76 Jahre. Er verwies darauf, dass Deutschlands Weg in die Diktatur kein Einzelfall war, da auch andere Demokratien in turbulenten Zeiten scheiterten.

Kritisch äußerte er sich zu selektiven Vergleichen, etwa wenn Gegner der Corona-Maßnahmen mit der Widerstandskämpferin Sophie Scholl gleichgesetzt oder Putin als „neuer Hitler“ bezeichnet wird. Möller bestand darauf, dass Historiker ganze Ereignisse und nicht nur isolierte Details betrachten müssten, um irreführende Schlussfolgerungen zu vermeiden. Zudem lehnte er die Einstufung der Alternative für Deutschland (AfD) als „faschistische“ Partei ab und verwies darauf, dass ihr der in historischen Regimen typische „Führerkult“ fehle.

Medienbeispiele veranschaulichen seine Argumentation: Das Magazin Stern zeigte auf einem Titelbild Donald Trump mit Hitlergruß und der Schlagzeile „Sein Kampf“ – eine Anspielung auf Hitlers „Mein Kampf“. Auch der Spiegel griff zu provokanten Bildern, etwa als Trump als Komet dargestellt wurde, der auf die Erde zurast, oder mit dem abgetrennten Kopf der Freiheitsstatue in der Hand. Möller warnte, solche Vergleiche könnten die Geschichte verzerren, bevor die langfristigen Auswirkungen überhaupt absehbar seien.

Möllers Mahnungen unterstreichen die Komplexität historischer Analysen. Er argumentiert, dass präzise Vergleiche erst möglich seien, wenn sich Ereignisse vollständig entfaltet hätten. Seine Haltung stellt die häufige Verwendung dramatischer Geschichtsbezüge in modernen politischen Diskussionen infrage.

Quelle