01 May 2026, 04:15

Jüdisches Leben in Deutschland: Zehn Gespräche brechen mit Klischees

Altes Buch mit hebräischem Text auf schwarzem Hintergrund, die sichtbare Seite liest "Jüdisches Pessach-Seder".

Jüdisches Leben in Deutschland: Zehn Gespräche brechen mit Klischees

Ein neues Buch gewährt seltene Einblicke in die vielfältigen Lebensrealitäten jüdischer Menschen in Deutschland. Unter dem Titel "Worüber Jüdinnen und Juden sprechen: Zehn Gespräche aus Deutschland" geht es über die üblichen Themen wie NS-Geschichte oder Nahostkonflikt hinaus. Stattdessen präsentiert das Werk persönliche Erzählungen von acht Personen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen.

Das Buch entstand in Zusammenarbeit zwischen Joshua Schultheis, Politikredakteur der "Jüdischen Allgemeinen", und Mascha Malburg, einer Wissenschaftlerin mit Schwerpunkt auf Hannah Arendts Revolutionstheorie. Gemeinsam haben sie zehn Dialoge mit Jüdinnen und Juden geführt, deren Erfahrungen gängige Klischees widerlegen. Manche sind erst kürzlich aus der Ukraine oder Russland eingewandert, andere blicken auf eine mehrgenerationige Geschichte in Deutschland zurück. Zu Wort kommen auch diejenigen, die aus New York oder Tel Aviv nach Berlin gezogen sind, sowie Juden, die sich für den Erhalt jüdischen Lebens in ostdeutschen Städten engagieren.

Die Gespräche decken ein breites Spektrum an Identitäten ab – von aschkenasischen und sephardisch-mizrachischen Traditionen über queere Perspektiven bis hin zu patrilinearer Herkunft. Dinah Riese, Leiterin des Inlandsressorts der "Jüdischen Allgemeinen", moderierte die Diskussionen und sorgte für einen ausgewogenen und reflektierten Austausch. Erschienen im Hentrich & Hentrich Verlag, löst sich das Buch bewusst vom eingeschränkten öffentlichen Bild jüdischer Lebenswelten in Deutschland.

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Für viele werden jüdische Stimmen im Land nur bei Gedenkveranstaltungen zum Holocaust oder in Debatten über den israelisch-palästinensischen Konflikt wahrgenommen. Diese Sammlung will dieses enge Bild korrigieren, indem sie Alltagserfahrungen, kulturelle Vielfalt und individuelle Engagements in den Vordergrund stellt.

Die Veröffentlichung ist eine direkte Antwort auf die oft eindimensionale Darstellung jüdischer Gemeinschaften in Deutschland. Indem es persönliche Geschichten von Zugewanderten, langjährigen Einwohnerinnen und Einwohnern sowie Menschen mit gemischten Herkunftsgeschichten versammelt, zeigt das Buch eine weitaus komplexere Realität. Gleichzeitig unterstreicht es, wie vielfältig jüdisches Leben in Deutschland jenseits der gängigen öffentlichen Erzählungen tatsächlich ist.

Quelle