25 March 2026, 06:13

Kulturstreit im HKW: Warum Chefkets abgesagtes Konzert Berlin spaltet

Menge mit Fahnen und Schildern vor dem Brandenburger Tor in Berlin, mit einer Fahne auf der rechten Seite.

Kulturstreit im HKW: Warum Chefkets abgesagtes Konzert Berlin spaltet

Das Haus der Kulturen der Welt (HKW) in Berlin steht zunehmend in der Kritik, nachdem eine Reihe von Konflikten um künstlerische Freiheit und politischen Einfluss die Institution erschüttert haben. Die jüngste Affäre um die Absage eines Konzerts des schwäbischen Rappers Chefket hat die Vorwürfe gegen die Führung des HKW weiter verschärft – der Ruf des Hauses ist beschädigt, seine Zukunft ungewiss.

2023 übernahm der kamerunische Biologe und Kurator Bonaventure Soh Bejeng Ndikung die Leitung des HKW als Intendant und machte es damit zur ersten großen deutschen Kultureinrichtung, die vollständig von Menschen of Color geführt wird. Sein oft als "postkolonial" beschriebenes Programm stößt in der deutschen Kulturszene sowohl auf Begeisterung als auch auf scharfe Ablehnung.

Auslöser der aktuellen Kontroverse war ein geplanter Auftritt Chefkets im HKW. Der Rapper, der vom Goethe-Institut zum "Rap-Botschafter" ernannt worden war, sollte dort performen. Doch nach einem Auftritt in einem "Palästina"-T-Shirt mit arabischer Kalligrafie und einer Umrisszeichnung Israels – ausgerechnet zum Jahrestag eines Hamas-Angriffs – griff Kulturstaatsminister Wolfram Weimer ein. Unter politischem Druck sagte das HKW das Konzert ab.

Als Reaktion verweigerten alle anderen für das HKW gebuchten deutschen Künstler:innen aus Solidarität mit Chefket ihre Auftritte. Die Affäre vertieft die Gräben: Kritiker:innen werfen der Institution vor, sich politischer Einflussnahme gebeugt zu haben. Gleichzeitig hat das HKW international an Strahlkraft verloren – dabei sollte es eigentlich eine Plattform für internationale Künstler:innen wie den haitianischen Saxophonisten Jowee Omicil sein.

Die Kontroverse wirft auch einen Schatten auf Ndikungs größere Vision für das HKW, etwa auf Ausstellungen wie Jan BöhmermannsDie Möglichkeit der Unvernunft, die der Institution Aufmerksamkeit verschaffen sollten. Trotz seiner prominenten Lage in der Nähe des Bundeskanzleramts bleibt das HKW von der Bundespolitik weitgehend ignoriert – was seine Position zusätzlich erschwert.

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Die Absage von Chefkets Konzert und der anschließende Boykott der Künstler:innen haben das HKW isoliert zurückgelassen. Nun steht die Institution vor der Herausforderung, Vertrauen zurückzugewinnen – in einem Umfeld voller politischer und kultureller Spannungen. Eine öffentliche Debatte über ähnliche "Kultur-Botschafter"-Programme wie das "Rap-Botschafter"-Projekt des Goethe-Instituts ist bisher ausgeblieben.

Quelle