27 March 2026, 10:14

Regierung setzt auf Glasfaser – doch was wird aus Kabelinternet in Deutschland?

Nahaufnahme eines Glasfaserkabels mit blauen und weißen Lichtern vor schwarzem Hintergrund

Regierung setzt auf Glasfaser – doch was wird aus Kabelinternet in Deutschland?

Deutschlands Vorstoß für schnelleres Internet nimmt Fahrt auf: Regierung setzt auf Glasfaser – Kabelnetze bleiben außen vor

Die Bundesregierung treibt den Ausbau schnellerer Internetverbindungen voran und konzentriert sich dabei auf den Umstieg der Haushalte von veralteten DSL-Leitungen auf Glasfaseranschlüsse. Ein neues Positionspapier des Bundesdigitalministeriums soll diesen Wandel skizzieren – doch die von Millionen genutzten Kabelnetze finden in den Plänen keine Berücksichtigung. Unterdessen diskutieren Experten und Anbieter, ob Glasfaser tatsächlich die einzige zukunftssichere Lösung für den deutschen Breitbandausbau ist.

Auf einer kürzlichen Konferenz in München präsentierte Prof. Dr. Jens Böcker aktuelle Daten zum Vergleich von Glasfaser und Kabelinternet. Seine Erkenntnisse deuten darauf hin, dass Kabel zwar kostengünstiger bleibt, Glasfaser jedoch in puncto Geschwindigkeit, Stabilität und Reaktionszeit deutlich überlegen ist.

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Rund 3,5 Millionen deutsche Haushalte nutzen noch Kabelinternet, während etwa 10,5 Millionen bereits auf Glasfaser umgestiegen sind. Dennoch ist Glasfaser derzeit nur für 50 bis 53 Prozent aller Haushalte verfügbar – viele Anschlüsse bleiben ungenutzt. Laut Böcker, der seit Jahren den deutschen Glasfasermarkt erforscht und an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg lehrt, vergrößert sich die Kluft zwischen den beiden Technologien weiter.

Seine Studien zeigen, dass Kunden nach dem Wechsel zu Glasfaser deutliche Verbesserungen feststellen: 76 Prozent berichten von höheren Geschwindigkeiten, 66 Prozent von größerer Stabilität und 45 Prozent von einem besseren Preis-Leistungs-Verhältnis. Zwar bietet Kabelinternet Downloadgeschwindigkeiten von bis zu 1 Gbit/s für 40 bis 49,99 Euro im Monat, doch bei Upload-Raten und Latenzzeiten hinkt es hinterher. Die Ping-Zeiten liegen bei Kabel mindestens 2,5-mal höher als bei Glasfaser – ein Nachteil für Gaming, Videokonferenzen oder cloudbasiertes Arbeiten.

Glasfasertarife sind jedoch teurer: Vodafone und die Deutsche Telekom verlangen rund 70 Euro für 1 Gbit/s, während Deutsche Glasfaser für dieselbe Leistung 89,99 Euro aufruft. Trotz der Preisdifferenz betont Digitalminister Karsten Wildberger, dass nur Fiber-to-the-Home (FTTH) wirklich zukunftssicher sei. Das anstehende Positionspapier seines Ministeriums wird sich ausschließlich auf den Umstieg von DSL zu Glasfaser konzentrieren – Kabelinternet bleibt dabei komplett unberücksichtigt.

Diese Entwicklung zwingt Kabelanbieter bereits zum Handeln: Vodafone und PYÜR, die beiden größten Kabelnetzbetreiber Deutschlands, bauen mittlerweile eigene Glasfasernetze auf, um Kunden von den älteren Kabelverbindungen wegzuführen. Mit jedem weiteren Haushalt, der wechselt, könnten die Abonnentenzahlen bei Kabelanbietern sinken – was möglicherweise zu Preissenkungen führt. Dennoch wird sich die Leistungs- und Kostenlücke zwischen Kabel und Glasfaser voraussichtlich weiter vergrößern.

Die Pläne der Regierung, DSL zugunsten von Glasfaser schrittweise abzuschaffen, stellen Kabelinternet vor eine ungewisse Zukunft. Da Anbieter wie Vodafone zunehmend in den Glasfaserausbau investieren, vollzieht sich der Markt rasant. Kabelkunden könnten bald vor der Entscheidung stehen: bei einer günstigeren, aber langsameren Verbindung bleiben – oder mehr zahlen für die Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit von Glasfaser.

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