07 May 2026, 12:18

Russell Crowe als Göring: Nürnberg zeigt das Duell zwischen Psychiater und NS-Verbrecher

Cartoon-Illustration eines Gerichtssaals mit dem Titel 'Boney's Trial, Sentence, and Dying Speech Europe's Injuries Revenged', die eine zentrale stehende Person, sitzende Beobachter und einen Tisch mit Gegenständen auf der rechten Seite zeigt.

Russell Crowe als Göring: Nürnberg zeigt das Duell zwischen Psychiater und NS-Verbrecher

Der neue Film Nürnberg untersucht die Prozesse von 1945 gegen die wichtigsten NS-Kriegsverbrecher unter der Regie von James Vanderbilt. Im Mittelpunkt steht das psychologische Duell zwischen dem US-Armeepsychiater Dr. Douglas Kelley und Hermann Göring, einem von Hitlers engsten Vertrauten. Die Handlung setzt sich mit der Frage auseinander, wie ganz normale Menschen zu außergewöhnlicher Grausamkeit fähig sind – ein Thema, das seit Hannah Arendts Überlegungen zur Banalität des Bösen kontrovers diskutiert wird.

Dr. Kelleys Auftrag besteht darin, den geistigen Zustand Görings und anderer hochrangiger Nazis vor ihrem Prozess zu begutachten. Russell Crowe liefert eine beeindruckende Darstellung Görings, der mühelos zwischen Charme und Bedrohung wechselt. Seine Performance fängt die beunruhigende Leichtigkeit ein, mit der der NS-Führer seine Umgebung manipulieren konnte.

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Der Film wagt einen mutigen Schritt, indem er fast fünf Minuten ungeschnittenes Archivmaterial aus Konzentrations- und Vernichtungslagern einbindet. Diese Sequenz kommt ohne Musik oder Dialoge aus und zwingt das Publikum, sich dem rohen Horror der Verbrechen zu stellen. Sie dient als schockierende Erinnerung an das historische Gewicht hinter dem Gerichtsdrama.

Doch Nürnberg ringt mit derselben Spannung, der sich viele Hollywood-Filme bei der Auseinandersetzung mit der NS-Zeit gegenübersehen. Wie Jakob der Lügner oder Operation Walküre läuft der Film Gefahr, die Brutalität der Geschichte zugunsten einer dramatischen Erzählstruktur zu glätten. Zwar erfüllt der Film nicht vollständig die Ansprüche einer präzisen historischen Darstellung, doch gelingt es ihm, eine fesselnde Erzählung zu weben. Dennoch neigt der letzte Akt zu übertrieben pathetischen emotionalen Ausbrüchen, die die zuvor gezeigte Zurückhaltung teilweise untergraben.

Der Film hinterlässt beim Publikum eine Mischung aus packendem Storytelling und beunruhigenden Fragen. Indem er sich auf Kelleys psychologischen Machtkampf mit Göring konzentriert, zeigt er auf, wie das Böse aus scheinbar normalen Menschen hervorgehen kann. Die Einbindung der unzensierten Lageraufnahmen stellt sicher, dass die Schwere des Themas trotz gelegentlicher Ausflüge ins Melodram ungeschmälert bleibt.

Quelle