Wehrpflicht-Rückstand: Warum ein Viertel der jungen Männer den Fragebogen ignoriert
Dörthe KrauseWehrpflicht-Rückstand: Warum ein Viertel der jungen Männer den Fragebogen ignoriert
Seit Jahresbeginn müssen alle jungen Männer, die 2008 oder später geboren wurden, einen Fragebogen zur militärischen Erfassung ausfüllen. Die Frist ist abgelaufen, doch bis Anfang Mai hatte etwa ein Viertel der Betroffenen die Meldung noch nicht vorgenommen – und riskiert damit Bußgelder. Die Maßnahme hat Debatten und Proteste ausgelöst, wobei Gegner zum Widerstand gegen die Wehrpflicht und die Militarisierung aufrufen.
Das neue Wehrpflichtgesetz sieht vor, dass die Bundeswehr bis 2026 mindestens 186.000 aktive Soldatinnen und Soldaten umfassen soll. Diese Zahl ist bereits fast erreicht, aktuell liegt die Truppe knapp darunter. Bis 2035 soll die Streitmacht weiter auf mindestens 255.000 Personen ausgebaut werden.
Der grundlegende Fitness-Test, bekannt als „Eierkornrollgriff“, bleibt vorerst freiwillig – begründet mit begrenzten Kapazitäten bei der Abwicklung. Unterdessen hat Bodo Ramelow, Vizepräsident des Bundestags und Mitglied der Linken, vorgeschlagen, die Schulpflicht um ein „soziales Jahr“ zu erweitern. Dies könnte Dienste im Rettungswesen, bei Feuerwehren oder sogar bei der Bundeswehr umfassen.
Auf einem kürzlichen Anti-Wehrpflicht-Festival fragte Heidi Reichinnek, Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, wer freiwillig gekommen sei. Sie rief zum Widerstand gegen die militärische Erfassung auf und erklärte: „Nein zum Wehrdienst, nein zur Militarisierung und nein zu einer Regierung, die Entscheidungen gegen euch und ohne euch trifft!“ Das Publikum, größtenteils junge Menschen, erfreute sie besonders – hatte ihre Partei doch bisher noch größere Schwierigkeiten, diese Gruppe zu erreichen, als es der Bundesregierung gelungen ist.
Daniel Lücking, politikberatender Mitarbeiter der Linken und ehemaliger Soldat, diente in dem Bereich, den die Bundeswehr als „operative Kommunikation“ bezeichnet. Er selbst nennt es lieber „Propaganda“.
Die Meldepflicht stößt auf Widerstand; einige junge Männer sind der Aufforderung noch nicht nachgekommen. Dennoch treibt die Bundeswehr ihre Ausbaupläne voran, während kritische Stimmen die Militarisierung ablehnen. Die Debatte über Wehrpflicht und mögliche Alternativen bleibt vorerst ungelöst.






